''Da wir nicht wissen, was in den letzten hundert Jahren alles gezüchtet und gekreuzt worden ist, erscheint es ziemlich hoffnungslos,
die stammesgeschichtlichen Beziehungen zwischen den Rassen nachzuvollziehen. Doch das Bedürfnis des Menschen, diese verwirrende Vielfalt
zu ordnen und damit auch zu begreifen, bleibt bestehen. Wie also der Mannigfaltigkeit des Hundes eine Fasson geben?“ Dr. Erik Zimen
Weil
mit der Historie der U.S.A. Eng verbunden, ist die Rassewerdung des Austrailan Shepherds sicherlich eine spannendsten Geschichten
einer Hütehunderasse überhaupt.
Beginnen müssen wir in der Mitte des 19. Jahundert, als eine durch Not und Elend bedingte Auswanderungswelle
in Europa begann, die als Ziel die Vereinigten Staaten von Amerika hatte.
Allein zwischen 1851-1890wanderten 2,4 Millionen Briten,
2,4 Millionen Iren, 3 Millionen Deutsche und über 1 Million Skandinavier in die USA ein. Eine bträchtliche Zahl, wenn man bedenkt,
das Städte wie Hamburg mit 132.000 Einw. oder Düsseldorf mit 27.000 Einw. im Jahre 1850 zu den deutschen Großstädten zählte.
Mit all
diesen Menschen, kamen natürlich auch deren Tiere, wie Schafe, Ziegen und auch der Hund mit in die ''Neue Welt'' .
So brachten zum
Beispiel schottische Siedler ihre ''Collies, Engländer ihre „Bobtails“, Basken ihre “Berger des Pyrenees“, und die Deutschen ihre
„Deutschen Schäferhund“ mit. Grundsätzlich sind mit den oben genannten Hunden nicht uns heute, im Zeitalter moderner Hundezucht, bekannten
Tiere gemeint, sondern vielmehr die Schläge, aus denen sich später o.g. Rassen entwickelten.
Damit wir uns ein Bild davon machen können,
wie es vor über 100 Jahren um die Hundezucht bestellt war, möchte ich aus dem wohl ersten Buch zitieren, das sich mit der Rassehundezucht
befasst. Im Jahre 1894 veröffentlicht Ludwig Beckmann sein Werk: „Geschichte und Beschreibung der Rassen des Hundes:“ Daraus sind
für uns folgende Hunde interessant:
die Schäferhunde Deutschlands
die Schäferhunde Englands und Schottlands
die Schäferhunde Frankreichs
und Italiens
Die Geschichte des Australian Shepherds
Nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges, entstanden die großen Städte wei Abilene, Dogde City und Wichita im Bundesstaat Kanasa,
Tombstone und Tuscon in Arizona oder Cheyenne in Wyoming. Hier versammelten sich nicht nur die Cowboys sondern auch finstere Gestalten
wie Spieler, Bordellinhaber und Revolverhelden, welche es auf den meist nur kargen Lohn der Viehhirten abgesehen hatten.
Outlaws wei
Billy the Kid, Wild Bill Hickock, Jesse James und ihre oft ebenfalls zwielichtigen Widersacher Wyatt Earp oder Pat Garrett sorgten
für den Ruf vom Wilden Westen. Zu Beginn dieses Jahrhunderts importierten die Amerikaner, zur Veredelung einheimischer Zuchten, australische
Schafe, die durch die klimatischen Verhältnissen in ihrer Heimat, anspruchsloser waren, als die im Osten vorwiegend gehaltenen europäischen
Typen.
Die Schafe wurden von australischen Schäfern und deren Hunden begleitet. Schon beim Verlassen der Schiffe und auf den Viehmärkten
beobachteten die amerikanischen Farmer mit Erstaunen, was die mitgebrachten „Aussies“( allgemein spaßiger Name für die Australier)
leisteten.
Sie waren intelligent, ohne Furcht, zäh und ausdauernd, dabei wendig und enorm schnell. Genau das waren die Hunde, die man
auch hier brauchen konnte, zumal sich einige besonders für die Arbeit an Rindern eigneten. Vermutlich waren es die Vorfahren der heutigen
Australian Cattle Dogs und Kelpies, die damals für das enorme Aufsehen sorgten.Die Australian Cattle Dogs entstanden wahrscheinlich
aus „Red Bobtils“, Blue merle Kurzhaarcollies“ und „ Dingos“. Ob der Dingo allerdings bewusst in die friedlichen Collies eingekreuzt
würde, ist nicht bewiesen und m.E. auch fraglich.
Da andere „Aussies“, der Australian Kelpie, entstammt wohl ebenfalls den kurzhaarigen
Collies, aus dem die starlischen Farmer ganz gezielt den für ihre Zwecke geeigneten Hund züchteten.Den Namen erhielt die Rasse im
Jahr 1872 als eine Hündin mit Namen „Kelpie“ den ersten in Australien abgehaltenen „Sheep Dog Trail“ Gewann. Ihre Nachkommenschaft
nannte man einfach „Kelpies“. Die Arbeitsweise des Kelpie ist der des „Border Collie“ sehr ähnlich.
So wurden alle möglichen Schläge
miteinander verpaart, ohne auf Reinzucht oder Schönheit.
Das Einzige, das für die Hundebesitzer zählte, War die Leistungsfähigkeit
des Hundes, denn nur ein Hund der gute Arbeit leistete, war für die Farmer ein nützlicher Hund.Erinnern Wir uns, dass es die europäischen
Schäferhundschläge waren , die von den Emigranten mitgebracht wurden und nun miteinander, bzw. deren Mischungen dann wieder untereinander,
verpaart wurden. In der Hauptsache waren dies:
die Berger des Pyrenees
die Rough- and smooth- coated Collies
die deutschen Schäferhunde
und
später dann:
die Australian Cattle Dogs
die Australian Kelpies
Es ist leicht vorstellbar, dass es sich bei diesen „neuen Hütehundschlägen“,
zunächst um eine kunterbunte Schar gehandelt haben muss, die sich hier und da eventuell etwas ähnelten. Regional hatte sich wahrscheinlich
auch schon der eine oder andere einheitliche Typ herauskristallisiert, wobei einige Merkmale herausragten.Den eigentlichen Durchbruch
des Australian Shepherds datiert man erst auf die Zeit nach 1945, als sich die Hunde, die wegen einiger ihrer Vorfahren vom fünften
Kontinent, „Aussies“ genannt wurden, immer ähnlicher sahen.
Wer nun aber den Löwenanteil zu dieser Rasse beigetragen hat, lässt sich
nicht mehr zurückverfolgen. Einige weiden dem Berger des Pyrenees einen großen Teil zu, andere behaupten, dass sich eindeutig der
Collie durchgesetzt habe.
Da Ludwig Beckmann diese Hunde vermutlich Grenzgebiet England/Schottland zeichnete und das
vielleicht gerade
aus dieser Gegend ein großer Teil der Einwanderer stammt, schließt sich der Kreis unserer Indizien.
Jedoch nicht das Äußere dieser
beiden Rassen, sondern auch das „Interieur“ nähren solche Vermutungen. Liegen doch in der Rangfolge von Hunden nach „Arbeits- und
Gehorsamsintelligenz“ von Stanley Coren, der Aussie und der Border neben acht anderen Rassen, in der höchsten Klassen, was die Intelligenzdimensionen
der Hunde betrifft.
Dies ist ein weiterer Punkt, der auf die enge Verwandtschaft der beiden Rassen schließen lässt.Ist der Australian
Shepherd also eine gelungene Mischung aus „Ur-Berger des Pyrenees“ und „Ur-Collies“, mit einer guten Prise „Ur-Australian Cattle Dog“
und einem Hauch „Ur-Kelpie“?-
Niemand wird diese Frage ja beantworten können. Ich wage trotzdem eine Theorie, mit der, so glaube ich,
wir bestens leben können:
„Der Aussie ist deshalb so ein wunderbarer Hund, weil alle an ihm beteiligten Rassen etwas dazu gegeben habe-
und zwar jeder nur seine besten Eigenschaften.In den 50er und 60er Jahren schaffte der Australian Shepherd dann endlich den Durchbruch
in den USA.
Im Juni 1996 erkennt die >> Federation Cynologique Internationale<< den australian shepherd anlässlich der welthunde-ausstellung in wien als rasse an. sie ist der verband, der selbst keine zuchtbücher führt, sondern dies, von den ihr angeschlossenen nationalen zuchtvereinen erledigen lässt und das in über 70 ländern der welt.die fci übernahm weitgehend den rassestandard des akc.
Bei ausführlicheren Details Das Buch „ Der Australian
Shepherd von Ulrich Börner
Kierdorf Verlag.